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Nachruf Pfr. i.R. Helmut Scholl

Helmut Scholl, hier bei einem seiner letzten Besuche in Fellingshausen, anlässlich des 125jährigen Bestehens der Kirche.

Das hat er immer wieder betont und gezeigt: „Für mich und meine Frau waren es die glücklichsten Jahre“. Helmut Scholl sprach von Fellingshausen und seine Zeit dort als Pfarrer und Seelsorger. Nun ist er am 13. Januar, wenige Wochen nach seinem 93. Geburtstag verstorben.

Der gebürtige Stuttgarter hatte viele Lebensstationen und seine Liebe gehörte vor allem den Büchern. Ende 1940 wurde er zunächst Buchhändler und nach seiner Ausbildung in Ludwigsburg und Stuttgart war er im Sortimentsbuchhandel, Zwischenbuchhandel und Exportbuchhandel tätig. 1955 heiratete er seine bereits vor drei Jahren verstorbene Frau Waltraud, ebenfalls Buchhändlerin und Pfarrerstochter aus Klein-Linden, wo auch die Hochzeit stattfand. Nach Leonberg-Eltingen zog das Paar 1958 wieder nach Klein-Linden. Helmut Scholl wurde Leiter der Buchhandlung der Pilgermission in Gießen. Zudem unterrichtete er ein Jahrzehnt fachbezogene Fächer an der Kaufmännischen Schule in Gießen und war Ausbilder, Vorsitzender des Prüfungsausschusses der IHK Gießen und als Mitglied des Börsenvereins eine zeitlang Vorstandsmitglied der Vereinigung Evangelischer Buchhändler in Deutschland. Acht Jahre lang war er Mitherausgeber einer Predigthilfe, was ihn mit Blick auf seine spätere berufliche Veränderung prägte. Im Alter von 39 Jahren zog er 1971 mit der Familie ins eigene Heim nach Allendorf und seine andere Lebenshälfte begann, wie er es zeitlebens ausdrückte.

Auf dem 2. Bildungsweg, mit praxisbezogenen Kurssystemen, studierte er Evangelische Theologie. Seine Ausbildungskirchengemeinde war die Lukasgemeinde in Gießen. Religionsunterricht an Schulen, Krankenhausseelsorge und Predigerseminare gehörte dazu. Mit dem Examen wurde er Pfarrdiakon und Pfarrer im kirchlichen Hilfsdienst. Seine Ordination folgte im September 1979 und rund ein Jahr dann später der Umzug nach Fellingshausen. Er wurde Verwalter der Pfarrstelle, 1985 Pfarrer auf Lebenszeit und Inhaber der Pfarrstelle.

In Fellingshausen wirkte er im dörflichen Vereins- und Gemeinwesen, hatte Ideen, setzte Akzente, war interessiert und kommunikativ und gemeinsam mit seiner Frau hinterließ das Paar über 15 Jahre viele Spuren im zweitgrößten Dünsbergdorf, wo sie über das kirchliche Leben eingebunden, beliebt und respektiert waren. Beispielhaft zu nennen sind die musikalischen Dorfwochenenden, die Guten-Abend-Kirche, die Wiederbelebung des Gemeindebriefes „Dünsbergbote“, Sportplatzfeste, Zeltgottesdienste zu den Kirmesveranstaltungen und der Umbau des Gemeindezentrums mit Petrushaus und Kindertagesstätte.

Viele Menschen erinnern sich noch gerne an seinen wertschätzenden Umgang und seine ruhige, besonnene Art. Der Verstorbene hatte zeitgleich einen nebengemeindlichen Dienstauftrag in Diakonie und Erwachsenenbildung im Probstteibereich Nord-Nassau.

Ende 1995 ging Helmut Scholl in den Ruhestand und seine Kirchengemeinde verabschiedete ihn mit einer Feier in der Mehrzweckhalle. Er zog mit seiner Frau nach Niederweidbach an den Aartalsee, aber immer mit einer nie erloschenen Sehnsucht und guten Erinnerung an seine letzte Pfarrgemeinde. Die besuchte er übrigens vergangenes Jahr noch beim Festakt zum 125jährigen Bestehen der Kirche  und freute sich auch, bei einer der Vorstellungen der TSV-Theatergruppe im November noch einmal mit dabei sein zu können. 

Dinge, die ihm noch wichtig waren: Ganz oben stand natürlich die Familie mit den beiden Töchtern, Enkeln und Urenkel. Zudem Lesen, klassische Musik, Reisen mit dem Wohnmobil und Helmut Scholl war treuer Fan seines Heimatclubs, dem VfB Stuttgart. 


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