Gelungener Auftakt ins Jubiläumsjahr mit Gottesdienst und Grenzgang
Start zum Grenzgang rund um die Burg Vetzberg auf dem Burgplatz vor der Kulisse des Burgturms
„Wir feiern ein Festjahr für Vetzberg mit einem vielfältigen Programm durch das ganze Jahr 2026. Ich freue mich, bei der Eröffnung dieses Jahres mit dem Grenzgang dabei sein zu können. Es ist gut, die kommende Zeit mit einem Gottesdienst zu beginnen. Wir wollen Gott danken für das, was war und den Ort hat zu dem werden lassen, der er ist. Und um den Segen für die Zukunft und das vor uns liegende Jahr bitten“, so Pfarrer Manuel Eibach zum Beginn des Festjahres in der Vetzberger Kirche am Fuße der Burg.
Es war ein gelungener Auftakt ins Jubiläumsjahr mit Gottesdienst und Grenzgang, zu dem die Vereinsgemeinschaft Vetzberg eingeladen hatte. Bürgermeisterin Patricia Ortmann und Vetzbergs Ortsvorsteher Dirk Römer waren ebenfalls zugegen. Den musikalischen Rahmen des Start-Gottesdienstes setzte Karin Rink, auch mit einem kraftvollen Orgelvor- und -nachspiel an der Orgel.
„Wir schreiben das Jahr des Herren 2026. Vetzberg begeht das 800. Dorfjubiläum. Wir danken Gott für alle Bewahrung und bringen vor ihn auch alle Anfechtungen, die mit einer so langen Ortsgeschichte verbunden sind. Viel Recherche, Nachdenken, viel entdeckte Historie und kreative Fantasie sind und werden in die Gestaltung dieses Festjahres gesteckt“, führte Eibach in seiner Ansprache aus. Seiner Predigt lag der Text aus … Mose… „Sei stark und mutig! Hab‘ eine Angst und sei nicht verzagt; denn ich der Herr, dein Gott, bin ´mit dir auf all deinen Wegen. Er spricht: ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Erinnere dich an deine Kindheit, als du noch barfuß unterwegs warst. Erinnere dich an die Unendlichkeit eines Sommertags, so wie sie wohl nur von Kindern empfunden werden kann. Und vergiss nicht die Tanten und Onkel, die Großeltern und die Nachbarn. Steig mit ihnen hinab in den Brunnen der Vergangenheit, bis wir auf die Quelle stoßen, auf das klare Wasser, das über den Basalt fließt. Erinnere dich an die Farbe des Sonnenuntergangs über den Feldern und hinter dem Dünsberg. Erinnere dich an den Tag an dem du zum ersten Mal auf dem Friedhof letzten Abschied genommen hast. Denke auch an die Kinder und Enkel, … die Du begleitet hast für die du gerne da sein willst. Welche Lebenslieder willst du singen? So gedenk‘ der vorigen Zeiten und hab acht auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. „Wenn wir uns an die Vergangenheit erinnern, dann wollen wir uns auch das Gute vergegenwärtigen, was unseren Vorfahren widerfahren ist“, führte Pfarrer Eibach aus.
Er schlug auch einen Bogen in die jüngste Vergangenheit und zitierte Ehrenbürgermeister Günter Leicht, der in der Chronik des Vetzberg-Vereins 2009 schreibt: „Die Dorferneuerung ist vorrangig durch die öffentlichen und Vereinsprojekte zu einem Erfolg geworden. Durch die vorbildliche Mitwirkung des Vetzbergvereins und des Kaninchenzuchtvereins ist mit dem Projekt Burgstraße eine gemeinschaftsbildende Einrichtung geschaffen worden, die bei der samten Dorfbevölkerung auf breite Zustimmung gestoßen ist. viele Veranstaltungen auf dem Burgplatz, wie z.B. das zweitägige Backhausfest, haben dies Ensemble zum Dorfmittelpunkt werden lassen. Das Dorfbild insgesamt hat sich positiv entwickelt. Es s ist ein neues Gemeinschaftsgefühl in Vetzberg entstanden. Mit dem nahezu von allen Vetzberger Vereinen getragenen Weihnachtsbasar ist seit zwei Jahren wieder Leben eingekehrt. Nach Abschluss der Dorferneuerung sollte der viel gepriesene und praktizierte Gemeinschaftsgeist des „Bergvolkes“ und dieses „Wir-Gefühl“ auf die nächste Generation übertragen werden.“ – Mit Gebet und Segen klang der Gottesdient aus.
Anschließend starteten nahezu 70 Teilnehmer zum Grenzgang – rund um die Vetzberger Gemarkung. Dazu begrüßte vor der Kulisse des Vetzbergturmes Siggi Hauska die Teilnehmer auf dem Burgplatz. Von dort ging es dann an der Gemarkungsgrenze Vetzbergs und um die Burg entlang. Unterwegs gab Siggi Hauska an verschiedenen Stationen Erläuterungen zur Vetzberger Historie. So wurde die Geschichte des Ortes lebendig von der Ganerbschaft, der das Dorf gehörte, und bis 1765 bestand hatte, dem nicht allzu idyllischen Leben auf der Burg und der Dorfbewohner. Die Lage als Schutzburg war ideal. Durch die Felder um den Basaltkegel waren schwer zu bearbeiten. Durch die steilen Hänge meist nur mit Spaten, statt mit Zuggerät. Die Wasserversorgung war mangelhaft. Die Vetzberger Raubritter suchten in der wirtschaftlichen Krise durch Überfälle Geld in ihre Kassen zu bringen, bis das Raubrittertum 1495 durch den ewigen Frieden unter Strafe gestellt wurde.
Mit dem zunehmenden Funktionsverlust der Burg und der nachlassenden Bedeutung de Ganerbschaft, verarmte das Dorf und es gab 1830 Überlegungen, das gesamte Dorf abzureißen Gott sei Dank ist das nicht geschehen, sodass dieser schöne Ort bis heute vielen Menschen und Familien Heimat bieten kann.
Wem gehört das Dorf? Heute wird die Frage eindeutig anders beantwortet. Vetzberg gehört seinen Bürgerinne und Bürgern und wird in kommunaler Selbstverwaltung geführt. Das allein macht schon den enormen Wandel deutlich, der sich in der Geschichte der vergangenen Jahrhunderte in der Kultur und im Selbstverständnis vollzogen hat. Der Weg vom Feudalismus zur Demokratie mit einem rechtsstaatlichen und auf Freiheit und Selbstbestimmung gründenden System war wechselvoll. Blütezeiten und Not, Armut und Naturgewalten, kriege und weideraubau, Auswanderung und Zuwanderung und das Engagement von vielen Generationen haben dieses Dorf zu dem gemacht, was es heute ist. Und all die vielen „Herrschaften“, die meinten, Ansprüche jedweder Art stellen zu können, gehören der Vergangenheit an.
Geblieben sind das schöne Dorf und die bodenständigen, sympathischen Menschen die Vetzberg ihre Heimat nennen – weil es immer schon Heimat war oder weil sie hier neue Heimat gefunden haben: Aber der Vetzberger Burgturm ist durch die Jahrhunderte Wahrzeichen geblieben. – Mit vielen neuen Informationen und Eindrücken kehrte die Grenzgangs-Gruppe an den Dorfmittelpunkt Vetzbergs zurück.
Nach dem Grenzgang waren beim geselligen Event auf dem Burgplatz bei kalten Temperaturen heiße Getränke willkommen, aber auch eine Stärkung bei Bratwurst und kühlen Getränken. Die Geselligkeit und die Kontakte wurden ausgiebig gepflegt. Dank galt dem Organisations-Team der Vereinsgemeinschaft Vetzberg für die „Verpflegungsstation“ am Ende eines gelungen Jubiläumsauftaktes bei kühlen, aber trockenen Temperaturen und teils sonnigem Wetter. Weitere Infos zum Vetzberger Dorfjubiläum gibt es auf der Homepage: www.vetzberg800.de

